Da habe ich meinen letzten Blogbeitrag über Individualität und Gemeinschaft geschrieben und gar nicht gemerkt, dass das wohl eine unbewusste Vorbereitung auf unseren Urlaub war 🙂

Eine Woche Urlaub, 52 Menschen, davon 14 Kinder, 2 Hunde, ein großer Hof in einem kleinen hessischen Dorf mit Gemeinschaftszimmern, 3 Küchen, Seminarraum, Lagerfeuerstelle, einer Spielscheune mit Kletterwand und Tischtennisplatten, viel Platz zum Toben, Zusammensitzen und Genießen.

Die Jüngste 3 Monate alt, die Ältesten Anfang 60.
Alleinstehend, in Beziehung, verheiratet, mit und ohne Kindern.
Beruflich aus allen Bereichen (wenn auch auffällig viele dienende Berufe vertreten sind: Erzieherin, Krankenschwester, Polizisten, Sozialpädagogen).

Kommt bei dir bei dieser Vorstellung Freude auf, denkst du mit einem sehnsüchtigen Seufzen „Solche Ferien hätte ich auch gerne“ oder stellen sich dir vor lauter Grauen die Nackenhaare auf? 🙂
Was glaubst du, warum wir unseren Jahresurlaub so verbringen?

Jeder von uns hätte sich auch einen komfortableren Urlaub mit Einzelzimmern statt Stockbetten im 6-Bett-Zimmer buchen können.
Aber wir wollen Gemeinschaft üben!

Wir wollen herausfinden, ob der Traum einer großen Gemeinschaft, in der sich jeder einbringt, in der geteilt wird, in der gemeinsame Werte gelebt werden, frei von Konkurrenz, Neid und Verurteilungen auch „in echt“ funktioniert oder ob es noch ein schöner Traum bleibt und stattdessen kracht, weil wir uns gegenseitig anstrengen und nerven.

Kann ich das?
Bin ich in der Lage, andere Menschen vollständig zu akzeptieren, so wie sie sind?
Kann ich meine eingeschränkten Vorstellungen, meine Ideen, wie andere meiner Meinung nach sein oder sich verhalten sollten, loslassen?
Wird mir das zu eng, zu laut, zu viel Nähe, zu wenig Raum für mich?
Kann ich mich so zeigen, wie ich bin oder lässt mich die Angst, „nicht gut anzukommen“ doch Masken aufsetzen und mich verstellen?
Kann ich mein Wissen in der Praxis umsetzen?

Denn die Theorie sitzt!
Die meisten von uns (Erwachsenen) beschäftigen sich seit Jahren mit den Spielregeln des Lebens.
Wir wissen, dass wir für unsere Gefühle immer selbst verantwortlich sind und nicht das Gegenüber Schuld ist, wenn uns etwas ärgert.
Wir wissen, dass Freiheit in der Eigenverantwortung liegt.
Wir haben verstanden, dass jeder Einzelne individuelle Fähigkeiten und Talente hat, die eine Bereicherung für alle sind.
Wir wissen auch, dass wir bei allen Unterschieden in Lebensgeschichte, Familienstand, Beruf, Finanzen, Interessen usw. stets gleichwertig sind.

Und natürlich üben wir täglich, das Wissen auch anzuwenden: Gemeinschaft friedlich zu gestalten, in stiller Übereinkunft mit sich selbst, in Paarbeziehungen, Familien, Freundschaften beruflichen Feldern und Coachinggruppen.

Aber in einer sooo großen Runde, mehrere Tage auf dann doch engem Raum, das ist etwas Neues für uns.

Ich fand die Idee von vornherein unheimlich spannend, Neugierde und Experimentierfreude sind trotzdem nicht die einzigen Motive für diese Art von Urlaub.
Diese Menschen, die quer in Deutschland verteilt leben, sind meine Familie, die ich von Herzen liebe und mit der ich gerne Zeit verbringe.
Einige sind tatsächlich blutsverwandt, die Mehrheit „nur“ Familie im Herzen.
Manche von ihnen sehe ich einmal im Jahr, andere jede Woche.
Viele kennen sich untereinander noch gar nicht.
Mein Mann hat sich mir und unseren Kindern zuliebe darauf eingelassen. Sein Leben ist mit Job, Uni und Familie so voll, dass er in der wenigen Freizeit nicht auch noch Trubel braucht. Damit steht er nicht alleine da.

Also auch das ein Ist-Zustand vor Beginn des Urlaubs: nicht alle sind restlos begeistert von der Idee, es gibt Skepsis, Befürchtungen, Widerstände.
Aber alle lassen sich mutig darauf ein.

Denn wir wollen nicht nur schlau daherreden 🙂
Bedingungslos lieben ist ein ernst gemeintes Ziel.
Wir wollen Annahme und ein friedliches Miteinander leben.
Echten Frieden!
Nicht Love-Light-Happyness-Glitzer drüberstreuen über das, was nervt, scheinheilig gute Miene zum bösen Spiel, sondern akzeptieren, was da ist inklusiven den Dingen, die erstmal Ablehnung hervorrufen, sich damit auseinandersetzen, ehrlich miteinander darüber reden und Lösungen finden.

Was glaubst du, was es braucht, damit das möglich wird?
Was ist für dich wichtig, um dich in einer (großen oder kleinen) Gemeinschaft wohl zu fühlen?

(Ich werde berichten 🙂 )

6 Kommentare
  1. Süssenguth Frauke
    Süssenguth Frauke sagte:

    Liebe Franzi:) ich durfte Teil dieses wunderbaren Experiments sein. Und ich war 50%Freude und 50% na mal schauen:). Ich bin so erfüllt und begeistert von den Menschen, die sich darauf eingelassen haben. Sozialkompetenzen gelebt, Liebe für und miteinander gezeigt und es sich für mich homogen, also in jeden Moment wunderbar angefühlt hat.Dazu ist nach meiner Meinung ein fester Glaube an sich Selbst, Mut sich zu zeigen wie man ist, Resonanzen zu akzeptieren und zu reflektieren, ganz viel Offenheit für alle Menschen nötig. Experiment geglückt!!!:))) und nach körperlichen Erholen und unendlich viel Dankbarkeit, könnte ich am liebsten morgen schon wieder alle in mein Arme schließen und freue mich auf die Fortsetzung.
    Es war vieeel zu wenig Zeit jeden Einzelnen, wirklich in seinem Potential und seiner Schönheit zu sehen. Ich bin voller Vorfreude auf das Leben:) und die Gemeinschaft:) liebste Grüsse Frauke

    Antworten
  2. Super Sabine - Sabine Krink
    Super Sabine - Sabine Krink sagte:

    Lieeb Franziska,
    ich verstehe dich sooo gut. Deshalb fahre auch ich jeden Sommer für 1 Woche in so eine Gemeinschaft (woanders hin als du 😉 ) – dieses Jahr war es das dritte Mal. Mit 300 Menschen, kleinen und großen. Es ist jedes Jahr eine Fülle und so nährend für mich, „glücklich zu leben“ zu üben und zu testen, wie viel da geht, wie viel ICH dafür wirklich gehe. Und jedes Jahr gehe ich, wie auf eine neue Glücksebene katapultiert, aus dieser Woche hervor und bin erstaunt, wie viel mehr da noch möglich ist … und noch … und noch … wow! Auch mit den Kids und Teens, die da auf dem Platz sind. Magic. 🙂 Das Wunder des echten Lebens.
    Ich bin sehr gespannt, was du berichten wirst!
    Herzensgruß
    Sabine

    Antworten
    • Franziska
      Franziska sagte:

      Liebe Sabine,
      jaaa, wir haben schon gelacht und auch gesagt, wir haben uns eine eigene Summer Celebration kreiert. Nur kleiner, aber mit ebenso viel Freude und Verbindung.
      Es haben sich so viele eingebracht und Workshops angeboten, dass die Zeit am Ende viel zu kurz war.
      Ich berichte noch 🙂
      Lieben Gruß!

      Antworten
  3. Katrin
    Katrin sagte:

    Liebe Franzi,
    ich bekomme Gänsehaut beim Lesen, danke!
    Ich bin immer noch ganz begeistert von unserem Experiment „Mega-Urlaub“! 😀
    Die Woche bevor es los ging, war ich echt angespannt, was hauptsächlich mit meinem neuen (daher noch recht stressig) Job in Verbindung mit den Urlaubsvorbereitungen (Organisieren, Waschen, Packen, Einkaufen, Auto reparieren, etc.) zusammen hing.
    Ich wusste aber, dass die Anspannung verfliegt, sobald ich erst einmal angekommen bin und so war es dann auch!
    Okay und die kurzfristig aufstellungsbedingten Widerstände am Freitag davor sind nicht weiter ernstzunehmen.. *lach* Es war eine fantastische Erfahrung, für die ich sehr, sehr dankbar bin! 🙂

    In Liebe und Verbundenheit,
    Katrin

    P.S. Von mir aus könnten wir direkt wieder durchstarten! Ich freue mich auf’s nächste Mal! 😀

    Antworten
    • Franziska
      Franziska sagte:

      Ich bin auch begeistert von unserem Mega-Urlaub 😀
      Sehr gerne sofort wieder!!
      (Da wussten wir seit einem Dreivierteljahr, wann es losgeht und waren dann trotzdem überrascht, als es soweit war 😀 Mir hat die Zeit zum Waschen, Packen und ToDo-Listen abarbeiten auch hinten und vorne nicht gereicht. Fast wie Weihnachten 😛 )

      Antworten

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