Ihr Lieben, ich melde mich nach längerer Pause zurück. Neben einem sehr vollen Terminkalender schwankte ich in den letzten Wochen oft zwischen „Wo fange ich an? Mich beschäftigen so viele Themen, über die es sich zu schreiben lohnt.“ und „Es wurde doch alles schon hundert Mal gesagt und geschrieben.“. Jetzt sind Osterferien und ich habe Zeit, mit einem gedanklichen Besen all meine Bedenken und Ausreden wegzufegen und neu zu beginnen.

Vergangene Woche hatten eine liebe Freundin und ich wieder das große Vergnügen, eine Gruppe zauberhafter, junger Mädchen durch einen 3tägigen  Selbstbehauptungskurs zu begleiten. Wenn wir am Beginn der 3 Tage die Mädchen fragen, ob sie eine Vorstellung davon haben, was wir zusammen machen bzw. was ihnen ihre Eltern erzählt haben, ist die Antwort „Wir machen Selbstverteidigung.“ in jedem Kurs dabei. Obwohl wir tatsächlich Selbstverteidigungselemente dabei haben, geht es uns in erster Linie darum, die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und bei ihrer Selbstbehauptung so zu unterstützen, dass sie durch Auftreten und Ausstrahlung gar nicht erst in Situationen kommen, in denen sie sich verteidigen müssten.

Uns ist wichtig, dass sich die Mädchen bewusst sind, dass jede von ihnen auf ihre ganz individuelle Art liebenswert, schön und einzigartig ist. Wir vermitteln, dass jeder Mensch (auch Kinder!!) das Recht hat, alleine darüber zu entscheiden, ob, wann, von wem und wie er angefasst werden möchte, dass es gesund ist, der eigenen Intuition zu vertrauen, seine Gefühle auszudrücken und sich in Konfliktsituationen Hilfe zu holen.

Das Ganze läuft sehr spielerisch und mit großen Spaß ab und ich bin überzeugt, dass das eine absolut sinnvolle Arbeit ist.

Natürlich können wir nur das authentisch vorleben und nachhaltig vermitteln, was wir selbst verinnerlicht haben und umsetzen.

Es ist also eine spannende Frage, wie es mit der eigenen Selbstbehauptung aussieht. Ich erinnere mich an eine Phase in meiner Teenagerzeit, in der ich, wenn ich am Wochenende nachts nach der Arbeit in einem Café alleine im Dunkeln nach Hause ging, regelrecht darauf gelauert habe, dass mich jemand angreift. Nur um beweisen zu können, wie gut ich mich wehren kann. Bewaffnet mit Schlüsseln zwischen den Fingerknöcheln, einem Schirm und einem Repertoire an Judo-Würfen, war ich vollkommen überzeugt, dass mir keiner schaden kann. Im Nachhinein sehe ich durchaus, dass ich meine Verteidigungskünste wahrscheinlich ziemlich überschätzt habe. Doch das Vertrauen in meinen Mut, die feste Absicht, mich wenn nötig zu wehren und die entsprechende Haltung und Mimik haben dazu geführt, dass ich völlig angstfrei allein im Dunkeln unterwegs war. Mein Auftreten hat jeden davon abgehalten, mir zu nahe zu kommen. Nicht einmal zu Volksfestzeiten wurde ich von Betrunkenen angepöbelt.

Nachdem ich mich in den Jahren vorher in verschiedenen Situationen als Opfer erlebt hatte, fühlte ich mich in meiner Teenagerzeit sehr sicher. Selbstbehauptung bedeutete zu dieser Zeit, dass ich mich gegen Andere wehren kann. Dabei ging ich davon aus, dass diese Fähigkeit absolut nötig war, denn ich nahm allgegenwärtige Gefahr als unveränderliche Realität wahr.

Diese Einstellung hat sich inzwischen deutlich verändert, wodurch auch die Definition von Selbstbehauptung eine andere geworden ist. Wer sich selbst behaupten kann, weiß um seine natürlichen Rechte, kennt seine Grenzen, kann sie friedlich kommunizieren und wahren. Im Idealfall gelingt all das, ohne ständig und überall Bedrohung zu wittern.

Ich habe eine gesunde Balance gefunden, die ich zusammen mit meiner Kollegin auch weiter vermitteln kann. Weder das eine Extrem -überheblich arrogant so zu tun, als sei man unverletzbar („Mir kann keiner was.“)- noch das andere Extrem -sich vorsorglich hilflos und überängstlich klein zu machen („Gefahr lauert überall.“)- sind besonders hilfreich, um sich gelassen und souverän selbst zu behaupten. Vertrauen in das Leben, sich selbst und die eigene Intuition, Selbstbewusstsein (= sich seiner selbst bewusst sein!) sowie ein gewisser gesunder Egoismus bringen dagegen mehr Leichtigkeit und sind auch trotz schmerzhafter Erfahrungen erlernbar.

In den nächsten Beiträgen sehen wir uns Themen an, die mit einer gesunden Selbstbehauptung zusammenhängen: Erkennen und Setzen von Grenzen, eigene Stärken, Körperwahrnehmung und Intuition, Kommunikation, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Sehr gerne kannst du mir schreiben, wenn dich bestimmte Punkte besonders interessieren oder du Fragen hast.

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