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Gedanken haben Kraft. Je nachdem, welche Gedanken du glaubst, wirst du angenehme oder unangenehme Gefühle empfinden. Glaubst du den Gedanken „Ich bin ein Versager.“, wirst du dich anders fühlen und dein Leben anders gestalten, als wenn du glaubst „Ich gebe mein Bestes und das ist gut genug.“.

Soweit die Theorie, der die meisten Menschen zustimmen. Im praktischen Alltag ist die große Herausforderung Gedanken als das zu erkennen, was sie sind: Thesen, Meinungen, Interpretationen statt zu unterstellen, unsere Überzeugungen wären DIE Wahrheit, die jeder um uns herum genauso sieht.
Eine hervorragende Methode, um unsere Gedanken als Thesen zu entlarven und sie dann zu überprüfen, ist Byron Katies „the Work“. Ich hatte sie euch in einem früheren Beitrag an der Überzeugung „Ich sollte die Erwartung Anderer erfüllen, damit ich geliebt werde.“ bereits vorgestellt und euch  ein weiteres Beispiel versprochen.

Auf die Nachfrage, welche Gedanken / Glaubenssätze euch das Leben schwer machen, kam der Satz „Wer schön sein will, muss leiden.“. Ich bat die Mitglieder meiner Facebookgruppe, zu kommentieren, was ihnen spontan zu diesem Satz einfällt:

„Diät, Verzicht, hartes Training, Nasenverkleinerung, Fettabsaugen, Wimpernverlängerung, Corsagen, hohe Schuhe, … – Schönheit ist erreichbar, aber es tut halt weh…“

 

 

Das macht doch gute Laune oder? Zu meiner großen Freude hat sich eine spannende Diskussion entwickelt darüber, was Schönheit bedeutet, wer entscheidet, was schön ist usw.
Doch konzentrieren wir uns auf die Überprüfung des Gedankens mit „the Work“.
Jetzt ist „Wer schön sein will, muss leiden.“ kein klassischer the-Work-Satz, denn dieser Gedanke allein ist noch kein Problem – es zwingt uns ja niemand dazu, schön sein zu wollen. Die implizierte Annahme „Ich sollte schön sein.“ wiegt dagegen gleich viel schwerer.
Rufen wir mal wieder Lara zu Hilfe. Falls du Lara noch nicht kennst – Sie ist eine junge, gesunde, hübsche Frau, die eine ziemlich verzerrte Selbstwahrnehmung hat und sich selbst sehr kritisch sieht und beurteilt (Ich kenne niemanden, der Lara heißt, aber viele Frauen, die so unfreundlich über sich selbst denken und reden wie meine erdachte Lara.).

The Work, 1. Schritt: Ist das wahr?

Hallo Lara, wollen wir beginnen?

„Ja, gerne. Ich möchte den Satz „Ich sollte schön sein.“ überprüfen.“

Nur für mein Verständnis – du meinst äußerlich schön?

„Ja, Gesicht, Haare, Figur usw.“

Okay. „Ich sollte schön sein.“ Ist das wahr?

„Ja klar! Nur wer schön ist, wird anerkannt. Wer schön ist, gehört dazu, ist erfolgreicher, beliebter, bekommt leichter einen Partner, hat oft bessere Jobchancen, wird besser bezahlt usw.“

Das sind alles Gedanken, die du näher untersuchen kannst. Such dir den aus, der für dich gerade die meiste Ladung hat.

„Wie, alle Gedanken einzeln??“

Das wäre gründlich 🙂 Die Methode heißt nicht grundlos „the Work“ 😀 Aber wahrscheinlich wirst du nach 2, 3 Durchgängen merken, dass es auf das gleiche hinausläuft. Lass uns mit einem anfangen.

„Ich sollte schön sein, um dazuzugehören.“

Wozu?

„Wie wozu?“

Du solltest schön sein, um wo dazuzugehören? Zu wem?

„Zur Gesellschaft. ….. Na gut, du willst es vermutlich konkreter wissen.
Naja, wenn ich ganz genau gucke, meine ich wohl „Ich sollte schön sein, damit andere Menschen gerne mit mir zusammen sind.“.“

In Ordnung, nehmen wir diesen Satz. Ist diese Aussage wahr?

„Ja natürlich! Jeder umgibt sich lieber mit Menschen, die schön sind.“

 

The Work, 2. Schritt: Kannst du dir hundertprozentig sicher sein?

Kannst du 100%ig sicher sein, dass das wahr ist? Und du weißt, 99% gelten nicht. Würde dir jeder uneingeschränkt zustimmen, dass deine Aussage „Ich sollte schön sein, damit andere Menschen gerne mit mir zusammen sind.“ eine beweisbare Tatsache ist?

„Ja, da bin ich mir ziemlich sicher. Wer will denn mit jemandem befreundet sein, der hässlich ist?“

Tut mir leid, aber ich kann da nicht mitgehen. Wenn du mir einen bildschönen Menschen vorstellst, der zwar in meinen Augen ein hübsches Gesicht und eine perfekte Figur, aber keinen Funken Humor hat, dafür mit seinem Jähzorn glänzt und sich für niemanden interessiert, möchte ich mit dem nicht meine Zeit verbringen. Und wahrscheinlich würde ich seine äußerliche Schönheit relativ schnell nicht mehr wahrnehmen.
Lerne ich jemanden kennen, mit dem ich lachen kann, der herzlich und neugierig ist, wäre das eine sehr angenehme Gesellschaft für mich, auch wenn er/sie vielleicht nicht unbedingt meinem Schönheitsideal entspricht.

„Ja, stimmt eigentlich. Das sehe ich schon auch so.“

Da ich nicht zustimme, wird das mit den 100 % nichts. Die Aussage ist keine Tatsache, sondern ein Gedanke, eine Meinung, eine These. Zu einem Fakt kannst du nur deine Einstellung ändern. Einen Gedanken hingegen kannst du glauben oder nicht, ein Gedanke lässt sich überprüfen.

The Work, 3. Schritt: Wie reagierst du auf den Gedanken?

Wie fühlst du dich, wenn du glaubst „Ich sollte schön sein, damit andere Menschen gern mit mir zusammen sind.“?

„Oh, da kommt ganz viel auf einmal. Auf jeden Fall merke ich totalen Druck, eine große Anspannung. Wie vor einer Prüfung.. ich habe den Eindruck, jeder beurteilt mich und ich darf auf keinen Fall durchfallen. Ich bin echt angespannt, versuche aber, es mir nicht anmerken zu lassen. Denn Stressflecken im Gesicht machen ja nicht gerade schöner. Oh man…
Ich vergleiche mich ständig mit anderen, an schlechten Tagen sehe ich nur Leute, die viel schöner sind als ich, schlanker, fitter, glänzendere Haare, eine kleinere Nase, einen flacheren Bauch. An besseren Tagen schneide ich im Vergleich besser ab, dann sehe ich auch Menschen, die schlechter aussehen als ich. Aber die Tage, an denen ich den Bauch einziehe, überwiegen. Ich stehe immer in Konkurrenz, ich vergleiche mich durchgehend und nicht nur mit Berühmtheiten im Fernsehen oder Models in der Werbung, sondern auch mit meinen Schwestern, meinen Freundinnen, meinen Arbeitskolleginnen. Das ist unglaublich anstrengend!“

Das ist das, was du dann machst! Gut beobachtet! Und wie fühlst du dich emotional dabei?

„Na gestresst, angestrengt, überfordert. Oft frustriert. Wenn dann dieses „Wer schön sein will, muss leiden.“ dazu kommt, wird es richtig ätzend! Denn ich sollte ja schön sein, ich will aber nicht leiden! In meinem Kopf heißt schön = schlank, durchtrainiert, perfekt geschminkt, perfekt gestylt, tolle Klamotten, weiße, gerade Zähne.
Auf Essen verzichten, immer trainieren, hohe Schuhe, damit die Beine länger wirken usw. ist für mich aber wirklich oft leiden. Manchmal habe ich Spaß daran, mich so aufzuhübschen, meistens habe ich da aber keine Lust drauf.

Wie fühle ich mich dann? Mmh… Ich werde sauer, wer bitte hat sich denn diesen Mist ausgedacht? Und warum spiele ich da ständig mit?? Ich fange an, nach Schuldigen zu suchen, fühle mich dem Schönheitsideal ausgeliefert. Habe Angst, dass ich alleine und ausgeschlossen dastehe, wenn ich aufhöre, mich diesem Wahn zu unterwerfen. Was ist, wenn die anderen dann sagen „Guck dir mal die an, wie die sich gehen lässt!“. 
Boah, wenn ich da wirklich ehrlich hinsehe, kommen echt unangenehme Gefühle. Ich bin wütend! Ich bin neidisch auf andere, eifersüchtig, missgünstig. Wenn ich mich nicht gerade minderwertig fühle, fange ich an, die, gegen die ich besser abschneide zu verachten. Dafür schäme ich mich. So gemein will ich gar nicht sein!
„Ich sollte schön sein, damit andere Menschen gern mit mir zusammen sind.“ – das ist doch total blöd! Nach der Wut spüre ich eine gewisse Resignation. Dieses „Schön sein“ ist doch eh nicht erreichbar. Verbittert passt auch. Nicht immer, aber an manchen Tagen.“

Wie fühlst du dich körperlich, wenn du diesen Gedanken glaubst?

„Schwer, ohne jede Leichtigkeit. Ich spüre einen Druck auf den Schultern.  Mein Kiefer ist verkrampft. Die Angst davor, nicht schön genug zu sein und vor den Konsequenzen sitzt mir im Nacken.“

Wie gehst du mit dir um, wenn du glaubst „Ich sollte schön sein, damit andere Menschen gern mit mir zusammen sind.“?

„Nicht besonders freundlich. Ich habe keine Zeit, mich zu fragen, was ICH will, was ich fühle, was mir wichtig ist, denn ich bin ja damit beschäftigt, mich um die äußere Schönheit zu kümmern. Da merke ich gerade, dass ich mich verurteile, weil ich das oberflächlich finde. Überhaupt verurteile ich mich ständig. Dafür, dass ich nicht so aussehe, wie ich aussehen sollte. Dafür, dass ich nicht konsequent genug bin, wenn es um Sport und Essen geht. Dafür, dass ich dann manchmal aus Frust anfange mehr zu essen, als ich wollte.
Ich kämpfe so gut wie immer gegen meinen Körper. 

Das klingt alles ganz schön heftig und ich frage mich gerade, ob ich mich da jetzt reinsteigere…  Aber ich fürchte, das ist tatsächlich sehr oft mein Alltag. Da merke ich das nur nicht so deutlich, weil es so normal ist und ich es mir nicht bewusst mache. Das ist irgendwie schockierend!“

In dem Moment, wo dir der Ist-Zustand klar wird, kannst du entscheiden, ob du etwas verändern möchtest! Stell dich mal einen Moment hin, atme tief durch – durch die Nase ein und den leicht  geöffneten Mund aus -, spüre deine Füße auf dem Boden, lass Knie, Bauch und Kiefer locker.
… Gut so!

Kannst du verstehen, woher diese Überzeugung kommt?

„Ja klar, das wurde mir ja von allen Seiten vermittelt. Das war noch nicht mal böse gemeint. Es sieht so aus, als ob einfach die meisten Menschen in diesem Hamsterrad drin stecken.“

The Work, 4. Schritt: Wer wärst du ohne den Gedanken?

Okay, dann lass uns mal durchspielen, wie du dich fühlen würdest, wenn du den Gedanken „Ich sollte schön sein, damit andere Menschen gern mit mir zusammen sind.“ nicht glauben müsstest.
Was würde sich verändern? Emotional, körperlich, in deinem Verhalten dir und anderen gegenüber? Wer wärst du ohne diese Überzeugung?

„Das ist ungewohnt 😀 Also, ich könnte mit dieser Vergleicherei aufhören. Ich würde nicht ständig in allen anderen eine Konkurrenz sehen. Ich wäre deutlich entspannter, gelassener. Der Druck ist weg. Ich kann mich auf andere Dinge als mein Gewicht konzentrieren.
Da spüre ich sofort die Angst, dass mir mein Aussehen dann völlig egal wäre und ich mich total gehen lasse.“

Wieder gut beobachtet 🙂 Es geht gar nicht darum, von einem Extrem ins andere Extrem zu fallen. Du darfst schön sein! Du musst nur nicht mehr immer und überall von allen schön gefunden werden. Du kannst dein Äußeres aus Spaß und Freude pflegen, nicht aus Zwang, weil du glaubst, nur dann gemocht zu werden. Weißt du, was ich meine?

„Ja, da kommt eine richtige Erleichterungswelle! Jetzt merke ich tatsächlich, wie ich leichter atmen kann, meine Schultern und mein Nacken entspannter werden. Da spüre ich zum ersten Mal bei dem Wort „schön“ Freude. Ich kann gucken, was ICH schön finde. Es wäre gelogen zu sagen, dass ich damit auf einmal alles an mir toll finde, aber die Verurteilung ist viel weniger. Und ich könnte meine Mädels einfach schön finden, ohne neidisch zu sein oder mir klein und minderwertig vorzukommen!
Ich kann anziehen und essen, worauf ich Lust habe, ich mache Sport, einfach weil ich Freude an der Bewegung habe. Oder ich lasse es sein, wenn mir gerade mehr nach Ruhe ist.
Ohne den Gedanken wäre ich definitiv sehr viel freier!“

(Eine der Frauen, die in der Facebookgruppe mitdiskutiert, hat so wunderbar geschrieben, dass sie die Vielfalt der Natur uneingeschränkt bewundern und genießen kann. Nie würde sie auf die Idee kommen und denken „Der Baum oder die Blüte sollte anders aussehen.“ Wäre das nicht toll, wenn wir über die Vielfalt an unterschiedlichen Nasen, Lippen, Figuren usw. genauso erfreut staunen könnten?)

Ohne den Gedanken wärst du freier  🙂  Du nimmst also deutlich wahr, wie es dir mit und wie ohne diese Überzeugung geht. Gibt es einen stressfreien Grund für dich, um an dem Gedanken festzuhalten?

„Im Moment fällt mir wirklich keiner ein.“

The Work, 5. Schritt: die Umkehrung

Wie kannst du den Gedanken „Ich sollte schön sein, damit andere Menschen gern mit mir zusammen sind.“ umkehren?

„Ich weiß, dass es folgende 3 Möglichkeiten gibt:
a) „Ich sollte nicht schön sein, damit andere Menschen gern mit mir zusammen sind.“
b) „Andere Menschen sollten schön sein, damit ich gerne mit ihnen zusammen bin.“
c) „Ich sollte schön sein, damit ich gerne mit mir zusammen bin.“.

Genau!  Findest du Argumente, warum diese Umkehrungen auch stimmen könnten?

„Ich sollte nicht schön sein.“ funktioniert nicht so richtig, weil mein Kopf da sofort das Gegenteil draus macht. Also ich sollte hässlich sein, damit andere gern mit mir zusammen sind. Und das kann ich mir immer noch nicht vorstellen.
Obwohl, wenn die so denken, wie ich vorhin, sind die gerne mit mir zusammen, wenn ich hässlich bin, weil sie dann im Vergleich mit mir gut abschneiden. Aber das ist irgendwie abschreckend 😀 “

🙂 „Ich sollte nicht“ heißt einfach, dass es niemand von dir verlangt. Du sollst nicht schön sein. Du sollst nicht nicht schön sein. Es ist einfach keine Bedingung dafür, ob jemand gern mit dir zusammen ist oder nicht. Guck dir mal den nächsten Satz an, dann wird das klarer.

„Andere Menschen sollten schön sein, damit ich gerne mit ihnen zusammen bin.“ Das ist Blödsinn. Das ist genau das, was du vorhin gesagt hast. Menschen mit denen ich gerne meine Zeit verbringe, sind lustig, liebevoll, ehrlich, verständnisvoll, herzlich. Nicht immer, es ist auch okay, wenn sie mal schlecht drauf sind. Aber ob sie eine gerade oder schiefe Nase oder Kleidergröße 36 oder 40 haben ist mir völlig egal.“

Na siehst du. Meinst du, das gilt andersrum für dich nicht?

„Erwischt… Meine Freunde wären wahrscheinlich entsetzt, wenn ich ihnen unterstellen würde, sie mögen mich nur, wenn ich einem unerreichbaren Schönheitsideal entspreche.
Andererseits kenne ich schon gewisse Kreise, aus denen man sofort ausgeschlossen wird, wenn man nicht mehr schön genug ist.“

Du hast durchaus Recht damit. Es gibt Leute, denen wichtig ist, dass du eine bestimmte Figur, bestimmte Kleidung, bestimmten Schmuck usw. hast. Aber sind Menschen, die dich nur mit einer bestimmten Figur mögen, wirklich die, mit denen du dein Leben verbringen möchtest?
Und zu den Anderen: häufig sind wir doch unsere strengsten Kritiker. Die Menschen, denen du wichtig bist, sehen dich mit den sprichwörtlichen Augen der Liebe und damit viiiel freundlicher. Denen musst du nichts über Äußerlichkeiten beweisen, weil sie dein Wesen und deine Ausstrahlung sehen und schön finden.
Und mal ehrlich: Wer schön sein will, muss leiden. Dreh das mal um: Wer leidet, ist schön? Beständiges Leiden hat noch niemanden schöner gemacht!
Wie sieht es mit der 3. Umkehrung aus?

„Ich sollte schön sein, damit ich gerne mit mir zusammen bin.“ Da ist erschreckenderweise was dran. Ich glaube schon, dass ich mich wohler mit mir fühle, wenn ich dem Schönheitsideal in meinem Kopf entspreche. Obwohl ich mir da schon gar nicht mehr so sicher bin.“

Nehmen wir an, du hast deine Traumfigur, hast dir Oberweite, Nase und Zähne korrigieren lassen und entsprichst damit dem Bild in deinem Kopf. Meinst du wirklich, du bist damit glücklicher? Es wird immer jemanden geben, den du schöner finden kannst, du entkommst dem Alterungsprozess nicht und Bilder im Kopf können sich ändern. Wenn dich heute jemand schön findet, kann das morgen schon wieder anders aussehen.

„Mmh…“

Welche Sehnsucht steckt denn hinter dem Ausgangsgedanken „Ich sollte schön sein, damit andere Menschen gern mit mir zusammen sind.“ und hinter der Umkehrung „Ich sollte schön sein, damit ich gerne mit mir zusammen bin.“?

„Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Nach Anerkennung. Nach Geliebtwerden. Ich möchte mich mit mir und in mir wohl fühlen, in mir Zuhause sein.“

Gibt es Möglichkeiten, diese Sehnsüchte zu erfüllen ohne diesen Schönheitszwang? Vor allem, wenn du dir die letzte Umkehrung ansiehst?

„Du meinst, wie kann ich mich anerkennen, wie kann ich mich lieben, wie kann ich meine eigene Schönheit erkennen, wie kann ich mich mit mir wohlfühlen?“

Ja genau! Führt dein Schönheitszwang dazu, dass du dich mehr liebst oder führt er dich eher weg davon?

„Das ist eindeutig. 😀 Es ist eher so rum: je liebevoller ich zu mir bin, je weniger ich mich verurteile und schlecht mache, umso mehr kann ich mich anerkennen und lieben. Und wenn ich mich selbst freundlich behandle, mich anlächle, auf eine respektvolle Art über mich denke, fühle ich mich wohl in mir. Dann ist die Chance, dass ich die schönen Seiten an und in mir erkenne, gleich viel höher.“

Zusammenfassung

Lass uns das zusammenfassen, ausgehend von den Thesen „Wer schön sein will, muss leiden.“ und „Ich sollte schön sein.“.

Nicht das Schön sein führt zum Leiden, sondern das „sollte“, der Zwang, die Bedingung.
Wer von Anderen schön gefunden werden will, leidet.
Wer es braucht, dass Andere ihn schön finden, leidet.
Wer Schönheitsideale bedienen muss, leidet.
Wer den eigenen Mangel an Selbstliebe durch die anerkennende Bestätigung von Anderen ausgleichen will, wird leiden.

Weil du nie allen gefallen kannst. Weil manche Schönheitsideale unerreichbar sind. Weil der Preis zu hoch ist. Weil, wenn das Ziel erreicht ist, dich die Verlustangst packt, die die Konkurrenz im Nacken sitzt, dir Eifersucht das Leben schwer macht und dein Leiden so einfach nur einen anderen Geschmack bekommt. Weil Selbstliebe nicht durch Anerkennung von außen ersetzt werden kann.

Die Natur, die die Menschen nun mal einschließt, ist vollkommen in ihrer Vielfalt und gleichwertigen (!) Unterschiedlichkeit. Da kommt keine eingeschränkte menschliche Vorstellung von scheinbarer Perfektion ran.

Nachdem du durch die Umkehrungen eine Menge Erkenntnisse sammeln konntest, lass uns einen Alternativsatz ohne „sollte“ finden, einen, der keinen Druck auslöst.
Ein Alternativgedanke zu  „Wer schön sein will, muss leiden.“, der tatsächlich  Sinn ergibt, Luft zum Atmen lässt und frei macht, ist die alte Weisheit „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“

Liebste Lara, kann das wahr sein?

„Oh ja. Jeder hat einen anderen Geschmack, andere Vorlieben. Jeder hat eine individuelle, besondere Schönheit, manchmal vielleicht erst auf den zweiten Blick, aber dann umso tiefer. Wenn ich gut drauf bin, sehe ich viel mehr Schönheit, als wenn ich schlecht gelaunt durch die Welt gehe. Wenn ich jemandem offen und freundlich begegne, sehe ich dessen Schönheit eher als wenn ich von vorn herein auf Fehlersuche bin. Das gilt für mich und mein Selbstbild natürlich genauso.“

Wenn also jetzt im Alltag die Gewohnheit kommt und du bemerkst, dass du anfängst zu vergleichen und dich zu verurteilen, erinnere dich an deine Erkenntnis und ersetze jedes Mal die Annahme „Ich sollte schön sein.“ durch „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“. Und dann erlaube dir, dein eigenes Empfinden von Schönheit wahrzunehmen, anzunehmen und auszustrahlen.
Danke für deine Bereitschaft, deine Gedanken zu überprüfen 🙂

 

 

 

Und du, lieber Leser, hast du deine Gedanken, deine „Solltes“ schon überprüft? Konnte ich dir „the Work“ näher bringen?
Was ist für dich Schönheit?
Ich freue mich über deine Kommentare!

 

P.S.: Man kann das ganze übrigens auch in die andere Richtung durchspielen: „Wer schön ist, leidet.“–> „Ich sollte nicht schön sein.“
Ist das wahr? -„Ja, denn wer schön ist, gilt als selbstverliebt, arrogant, oberflächlich, eingebildet,…“
Die Überprüfung dieses Gedanken überlasse ich dir. Das Werkzeug dazu kennst du ja jetzt 🙂

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